Sonntag, 21. April 2024
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    Apotheken stehen vor wirtschaftlichem Kipppunkt

    „Wir stehen am Kipppunkt. Wenn nicht sehr zügig etwas passiert, dann wird bald das flächendeckende Netz der Apotheken in sich zusammenbrechen. Schon heute stehen bundesweit etwa ein Drittel der Apotheken nicht mehr auf wirtschaftlich soliden Füßen.“ Diese Aussage traf Marc-Florian Witsch am 4. März 2024 beim Besuch von CDU-Landtagspolitikern Tobias Krull und Tim Teßmann in der Apotheke seiner Kollegin Anne-Kathrin Haus in Colbitz. Gekommen waren die beiden Landespolitiker auf Einladung der jungen Inhaberin, die auf die schlechte Lage der Apotheken direkt vor Ort aufmerksam machen wollte.

    Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) am 8. Februar 2024 in einem Fall entschieden hatte, dass der pharmazeutische Großhändler einer Apotheke nicht mehr als 3,15 Prozent Rabatt inklusive Skonto geben darf, droht den Apotheken die wirtschaftliche Basis zu entgleiten, sollte das Gericht in seiner Urteilsbegründung den Sachverhalt als allgemein gültig erklären. In diesem Fall müsse schnellstens eine Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) erfolgen, damit die sogenannten Skonti (Preisnachlässe für vorfristige Zahlung) im Verhältnis zwischen Apotheke und Arzneilieferanten erlaubt bleiben.

    „Grundsätzlich brauchen wir ebenso eine drastische Absenkung des Kassenabschlags, um die gestiegenen Kosten auszugleichen. Ansonsten kann ich meine ländliche Apotheke nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Leidtragende wären die Patienten, denen eine wohnortnahe Arzneimittelversorgung fehlen würde. Denn die nächsten Apotheken sind weit entfernt, was unweigerlich zu längeren Wegen für meine Patienten führen würde“, erklärte Anne-Kathrin Haus.

    Damit es nicht soweit kommt, öffnet sie für alle interessierten politisch Handelnden ihre Türen und wirbt für die wohnortnahe Patientenversorgung. „Gerade die kleinteilige Struktur hat sich bewährt und gewährleistetet eine solide Patientenversorgung – z.B. auch in Krisenzeiten. Das gilt es unbedingt zu erhalten“, gab sie den beiden Politikern mit auf den Weg. Diese wollen nun die Lage der Apotheken im nächsten Gesundheitsausschuss des Landtages beraten lassen.

    Marc-Florian Witsch hat seine Apotheke im ebenfalls ländlich geprägtem Weferlingen und er sitzt für den Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt im erweiterten Vorstand. Er brachte die Kernforderung des Verbands auf den Punkt: „Die Apotheken fahren momentan auf Verschleiß. Investitionen können nicht mehr getätigt werden, weil uns der finanzielle Spielraum fehlt. Es ist doch eine Ironie des Systems, dass wir als Kaufleute gezwungen sind, wie diese zu agieren. Aber die gesetzlichen Vorgaben legen uns Ketten an, so dass wir nicht wie Kaufleute arbeiten können. Darum sind wir im Arbeitsalltag ja auch keine Kaufleute, sondern Heilberufler. Und als Heilberufler brauchen wir eine Erhöhung unseres Grundhonorars wenigstens als Inflationsausgleich. Anders geht es nicht mehr.“ (PM Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt e.V.)

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