Samstag, 20. Juli 2024
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    Polizeiinspektion Magdeburg ermittelt bei „Cold Case“: Fund einer unbekannten Leiche in Elbe

    In dem Mordfall des unbekannten Toten, der in einer Kiste bei Dessau-Roßlau gefunden wurde ermittelt nun die Polizeiinspektion Magdeburg, welche neue Ansätze verfolgt und weiterhin auf der Suche nach Zeugen ist. In den Mittagsstunden des 05. Juli 2016 wurde die Polizei über ein Behältnis in der Elbe informiert, in der sich möglicherweise ein menschlicher Körper befindet. Beamte des Wasserschutzpolizeireviers Magdeburg bestätigten, dass es sich um den Leichnam eines Menschen in einer metallischen Kiste handelt.

    Gemeinsam mit Kräften der Feuerwehren Vockerode und Waldersee konnte das Behältnis samt Leichnam aus dem Wasser der Elbe geborgen und anschließend zur gerichtsmedizinischen Untersuchung nach Halle (Saale) überführt werden. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau leitete ein Todesursachenermittlungsverfahren ein, um die Identität des Leichnams und die Umstände des Todes zu klären. Darüber hinaus prüfte die Polizei – auch länderübergreifend – mögliche Zusammenhänge zu aktuellen Vermisstenfällen.

    Erste Rechtsmedizinische Untersuchungen

    Nach dem Ergebnis der ersten rechtsmedizinischen Untersuchung handelt es sich bei der toten Person, um einen Mann. Verletzungen an dem Leichnam lassen den Verdacht zu, dass der Unbekannte Opfer eines Tötungsverbrechens geworden ist. Zur Beschreibung des Getöteten liegen derzeit folgende Erkenntnisse vor:

    • ca. 45 – max. 60 Jahre alt
    • athletische Statur
    • circa 75 kg schwer
    • circa 180 cm groß

    Auf dem linken Unterarm findet sich in schwarzer Farbe die Tätowierung „Michaela“ (Abbildung 1), auf dem rechten Ringfinger trug der Leichnam einen goldenen Ring, der innen ebenfalls die Gravur „Michaela“ (Abbildung 2) aufweist.

    Abbildung 1 – Tätowierung „Michaela“ | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg
    Abbildung 2 – Ring „Michaela“ | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg

    Auf Grund des Zustandes der Leiche geht die Gerichtsmedizin davon aus, dass der Tod des Mannes mehrere Wochen vor dem Auffinden eingetreten sein dürfte.

    Die Kiste

    Der Getötete wurde in einer Kiste aufgefunden. Es handelt sich um eine Metallkiste ähnlich einer Werkzeugtruhe (Abbildungen 3 u. 4), die in dieser Ausführung bis 1991 in großer Stückzahl produziert wurde. Die Kiste trägt an der Vorderseite eine markante individuelle Aufschrift in schwarzer Farbe. An der Innenseite des Deckels befinden sich zwei Aufkleber, wobei einer die Aufschrift „Original BETRA Qualität“ trägt (Abbildung 5). Der zweite Aufkleber zeigt zwei Mainzelmännchen und die Aufschrift „ZDF“ (Abbildung 6).

    Abbildung 3 – Kiste | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg
    Abbildung 4 – Kiste | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg
    Abbildung 5 – Aufkleber „Original BETRA Qualität“ | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg
    Abbildung 6 – Aufkleber „ZDF“ | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg

    rekonstruiertes Portrait des Toten

    Durch das Landeskriminalamt des Landes Sachsen-Anhalt konnte ein rekonstruiertes Portrait des unbekannten Toten erstellt werden. So könnte der Mann vor seiner Tötung ausgesehen haben (Abbildung 7)

    Abbildung 7 – rekonstruiertes Portrait des Getöteten | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg

    Der Fundort des Leichnams

    Zwischenzeitlich haben kriminaltechnische Untersuchungen ergeben, dass die Kiste, in der sich der Leichnam befand, von der Elbebrücke der Bundesautobahn 9 (Abbildung 8) in die Elbe gelangt ist. Diese Elbebrücke befindet sich auf dem Autobahnabschnitt zwischen den Anschlussstellen Coswig und Vockerode. Die BAB 9 verbindet die Städte Berlin und München und wird stark durch Pendler, Touristen, den Güterkraftverkehr und auch von einheimischen Autofahrern frequentiert.

    Foto: Polizeiinspektion Magdeburg

    Es ist nach derzeitigem Ermittlungsstand davon auszugehen, dass bislang unbekannte Personen die Kiste mit dem Leichnam bis zum 05. Juli 2016 mit einem Fahrzeug auf die Elbebrücke transportierten und diese von dort oben direkt in den Fluss warfen.

    Isotopenanalyse und Gesichtsweichteilrekonstruktion

    Im Rahmen der Ermittlungen zur Identität des bislang unbekannten getöteten Mannes, welcher am 05. Juli 2016 in der Elbe in einer Kiste aufgefunden wurde, haben Staatsanwaltschaft und Polizei sowohl eine Isotopenanalyse als auch eine Gesichtsweichteilrekonstruktion in Auftrag gegeben.

    Isotopenanalyse

    Das rechtsmedizinische Institut in München hat am Leichnam des Getöteten bio-chemische Untersuchungen (Isotopenanalysen) vorgenommen. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich der Unbekannte seit mindestens zehn Jahren in Deutschland aufhielt, jedoch ursprünglich nicht aus in Mitteleuropa stammt.

    Den Untersuchungen zufolge dürfte der Getötete etwa bis zu seinem 35. Lebensjahr im südöstlichen Europa (z. B. ehern. Jugoslawien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, etc.) aufgewachsen sein und gelebt haben, bevor er nach Deutschland kam. Dort dürfte er eher im Binnenland und weniger an der Küste gelebt haben.

    Gesichtsweichteilrekonstruktion

    Die Rekonstruktion der Gesichtsweichteile erfolgte durch das Landeskriminalamt des Landes Sachsen-Anhalt. Im Ergebnis liegen nunmehr zwei Abbildungen (Abbildungen 9 u. 10) vor, die das Äußere des Getöteten vor seinem Tod zeigen.

    Abbildung 9 – Rekonstruktion | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg
    Abbildung 10 – Rekonstruktion | Foto: Polizeiinspektion Magdeburg

    Fragen der Ermittler

    • Wer ist der Getötete?
    • Wer hat den Mann vor dem 5. Juli 2016 gesehen?
    • Wo wurde der Mann vor dem 5. Juli 2016 gesehen?
    • Wer kann Angaben zu den abgebildeten Gegenständen (Ring, Kiste) sowie zu der Tätowierung machen?
    • Wer hat vor dem 5. Juli 2016 relevante Beobachtungen im Bereich der genannten Elbbrücke gemacht?

    Trotz zahlreicher Veröffentlichungen im In- und Ausland konnte der Getötete noch nicht identifiziert werden. Die bisher eingegangenen Bürgerhinweise haben die Ermittlungen hilfreich unterstützt, führten jedoch noch nicht zur Identifizierung des Mannes.

    Mit diesem ergänzenden Zeugenaufruf bittet die Polizei daher erneut um Hinweise aus der Bevölkerung. Möglicherweise können Sie entscheidende Hinweise geben, welche die Ermittlungen vorantreiben. Auch wenn Sie meinen, dass Ihre Wahrnehmungen nicht sachdienlich seien, könnten diese für die Polizei von großer Bedeutung sein. Scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren! Eine Belohnung von 2.500 Euro1 ist für den ausschlaggebenden Hinweisgeber ausgesetzt. Sachdienliche Hinweise nehmen wir unter der Rufnummer 0391 546 1687 oder per E-Mail unter lfz.pi-md@polizei.sachsen-anhalt.de entgegen. Sie können sich auch persönlich an Ihre örtliche Polizeidienststelle wenden. (PM PolMD)

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    1. Diese Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung von strafbaren Handlungen gehört. Über die Zuerkennung und Verteilung wird unter Ausschluss des Rechtsweges entschieden. ↩︎

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