Sonntag, 21. April 2024
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    Gendern großschreiben, aber Mädchen aus Magdeburger Handballsport streichen

    Magdeburg hat mit seinen Sportvereinen, Sportschulen und der Unterstützung vieler ehrenamtlicher Übungsleiter und Trainer viele erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler hervorgebracht. So zum Beispiel auch die Handballspielerin Anja Althaus, welche sich in die deutsche Nationalmannschaft spielte. Oder schauen wir uns einmal die Spieler aus dem 1. FC Magdeburg oder SC Magdeburg an. Ab dem Schuljahr 2023/2024 wird dies aber speziell für Mädchen im Leistungsbereich Handball nicht mehr unterstützt.

    Im November 2022 fanden die Aufnahmeprüfungen für die Sportschulen statt. Mit Entsetzen mussten die Eltern der Sportlerinnen jedoch in den letzten Tagen ein ungewöhnliches Ablehnungsschreiben lesen. Der Landessportbund Sachsen-Anhalt teilte mit, dass die Schülerinnen, trotz Aufnahmeempfehlungen den begehrten L-Status für den Leistungskurs nicht erhalten und bittet Eltern bzw. künftigen Schülerinnen bei weiterhin bestehendem Interesse, an die Sportschulen in Halle auszuweichen.

    „Wir haben unsere Personalplanungen bezüglich der für den Unterricht abzustellenden Trainer bereits abgeschlossen und sind von dem Schreiben nicht nur überrumpelt worden, sondern maßlos enttäuscht.“, teilte uns Michael Jahns, Vorstandsmitglied des HSV und Trainer der Oberligadamen des Vereins, mit. Weiter erklärte er: „Dass Sportlerinnen im Vergleich zu Sportlern finanziell benachteiligt sind, ist allen Beteiligten bekannt und diese bittere Pille wird bereits seit Jahrzehnten geschluckt. Auch bereits erfolgte Kürzungen im Bereich der Sportlerinnen wurden hingenommen und anderweitig versucht aufzufangen. So wurden zum Beispiel bereits 2022 sämtliche Fördermittel zur sportlichen Beschulung der Handballmädels eingestellt und wir konnten glücklicherweise Partner finden, die dieses Defizit aufgefangen haben. Dass nun unsere Mädchen in Konkurrenzstädte verwiesen werden, ist nicht nur für unsere Magdeburger Mädchenmannschaften ein Schlag ins Gesicht. Uns und auch beispielsweise Vereine in Barleben oder Niederndodeleben brechen somit für die Zukunft die Mädchenmannschaften weg.“

    Nicht nur die Vereine und Eltern verstehen die im Schreiben unbegründete Entscheidung nicht, sondern auch die Sportschulen in Magdeburg. Sie rechnen durch solche Eingriffe mit einem künftigen Überhang an männlichen Schülern. Auch ist fraglich, ob auf den vom Verband vorgeschlagenen Internaten überhaupt ausreichend freie Plätze vorhanden sind. Den Magdeburger Handballspielerinnen wird durch diese Entscheidung nun aufgezeigt, dass im Gegensatz zu ihren männlichen Sportkameraden, künftig nicht mehr ihr Talent zählt, sondern die Dicke des elterlichen Geldbeutels, denn nicht jeder kann sich den Luxus eines solchen Internatsbesuches leisten.

    „Für eine Mädchenmannschaft benötigt man inklusive Ersatzspieler 16 bis 17 Sportlerinnen, doch woher sollen sie dann künftig kommen, wenn diese in andere Städte verbannt werden? Alles, was die ehrenamtlichen Trainer in den letzten 10 Jahren mühsam aufgebaut haben, ist somit für die Katz!“, so Jahns. Der Unmut von Eltern, Trainern und auch den Direktorinnen des Sportgymnasiums und der Sportrealschule ist groß und deshalb lädt der HSV Magdeburg neben Vertretern der Medien und der Politik auch betroffene Magdeburger zu einer Pressekonferenz am 22.02.2023 ein, um dort über die Brisanz des Themas zu sprechen und zu diskutieren.

    Mittwoch, 22.02.2023
    18 Uhr
    Sporthalle der BbS Eike-von-Repgow
    Albert-Vater-Straße 90, 39108 Magdeburg
    Eingang/Parkplatz über Draisweg

    „Wir fordern Gleichberechtigung! Die Parteien und Länder fördern jegliche Gleichberechtigung, von Gendern bis hin zur Toilettenbezeichnung, aber Sachsen-Anhalt vertreibt unsere Zukunft im Frauenhandball aus Magdeburg. Wieso werden in Sachsen-Anhalt die Mädchen nicht endlich genauso gefördert und finanziert wie die männlichen Sportler? Andere Bundesländer leben es doch vor.“, ergänzt Michael Jahns. (sn)

    2 Kommentare

    1. Sehr schön geschrieben, auch wenn das Thema mal wieder einen katastrophalen Zustand unseres Bildungssystems offenbart.
      Von der so viel gepriesenen Gleichberechtigung mal ganz zu schweigen.
      Kann man nur hoffen, das diese sinnfreie Entscheidung schnellstens zurückgenommen wird.

    2. Da soll „im großen Stil gegendert werden“ und die Politik spricht von Gleichberechtigung aller und doch kommt es im Regionalen oft nicht an. Man sollte wirklich weniger darüber reden sondern mehr umsetzen, nachhalten und kontrollieren.
      Viele Betriebe zahlen Männern eben doch mehr als Frauen und wie hier, im Sport, ist noch gar nichts umgesetzt, empfinde ich so! Da muss was getan werden!

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