Mittwoch, 29. Mai 2024
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    Badeunfälle bei Kindern: Worauf kommt es an und wie muss man sich verhalten?

    Endlich ist der Sommer da. Die Freibäder öffnen und auch die Badeseen locken Familien. Toben im Wasser ist toll, aber nie unbeaufsichtigt: Denn noch immer ist Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern.

    Ertrinken ist keine Frage der Wassertiefe

    Jedes Jahr zur Sommerzeit häufen sich die Meldungen von Ertrinkungsunfällen. Kleinkinder sind bereits im flachen Wasser gefährdet, da sie meist noch nicht schwimmen können. Vertieft ins Spielen, geraten die Kleinen in tieferes Wasser oder fallen vom Ufer aus hinein. Schon wenige Zentimeter Wassertiefe reichen dann aus, um zu ertrinken. Auch in Zier- und Gartenteichen, großen Pfützen, Springbrunnen oder Regentonnen sind schon häufiger Kinder ertrunken.

    „Wegen ihres hohen Schwerpunkts können hingefallene Kinder nicht einfach die Beine unter den Körper ziehen und aufstehen. Fallen sie mit dem Kopf ins Wasser, löst dies eine Art Schockreaktion aus, die Stimmritze im Rachenraum schließt sich und macht die Atmung unmöglich“, berichtet Dipl.-Med. Cornelia Hesse, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Helios Klinik Jerichower Land. (Dipl.-Med. Cornelia Hesse, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Helios Klinik Jerichower Land | Foto: Helios Kliniken, Thomas Oberländer)

    Bei diesem trockenen Ertrinken ersticken die Kinder häufig, ohne das Wasser in die Lunge gelang.

    Ertrinken ist keine Frage der Schwimmfähigkeiten

    Auch ältere Kinder mit Seepferdchen-Abzeichen können ohne weiteres ertrinken: beim Toben, wenn sie mit dem Kopf aufschlagen und benommen untergehen oder schlicht durch Entkräftung, wenn sie zu lange in tiefem Wasser gewesen sind.

    Ertrinkende können nicht um Hilfe rufen

    Um sprechen zu können, muss erst die Atmung sichergestellt sein. Da sich der Mund beim Ertrinken unter Wasser befindet und nur kurzzeitig auftaucht, ist die Zeit für Ausatmen, Einatmen und einen Hilferuf zu kurz.

    Ertrinkende können nicht um Hilfe winken

    Beim Ertrinken ist der Körper aufrecht im Wasser. Die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt, um den Körper über Wasser zu halten. Eine bewusste Steuerung der Arme ist nicht möglich. Ertrinkende Kinder bewegen sich gar nicht – sie strampeln nicht, sondern sinken bewegungslos zu Boden wie ein Stein.

    Erste-Hilfe-Maßnahmen

    • Das Kind sofort aus dem Wasser bergen!
    • Das Kind ansprechen und die Bewusstseinslage prüfen.
    • Unverzüglich in eine Decke wickeln um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, möglichst durchnässte Kleidung entfernen, Kind warmhalten, beruhigen.
    • Ist das Kind bewusstlos werden die Atemwege kontrolliert und sofort mit der Mund zu –Mund-, bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung (bei Babys) begonnen.
    • Ist kein Puls tastbar, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.
    • Notruf tätigen.
    • Begonnene Maßnahmen durchführen, bis Rettung eintrifft.
    • Kinder auf keinen Fall mit dem Kopf nach unten halten und schütteln um mögliches Wasser aus den Lungen zu bekommen.

    Reanimation bei Kindern

    Die Lebensretterformel: prüfen, rufen, drücken

    • Prüfen Sie das Bewusstsein und die Atmung des Babys oder Kindes. Erhalten Sie keine Reaktion und können Sie keine Atmung feststellen, ist das Baby oder Kind bewusstlos. Rufen Sie in diesem Fall sofort den Notruf 112.
    • Starten Sie mit der Wiederbelebung und der Beatmung. Bei Babys umschließen Sie mit dem eigenen Mund den Mund und die Nase und beginnen mit fünf Beatmungen. Bei größeren Kindern können Sie die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchführen. Wenn Sie nach fünf Beatmungen kein Lebenszeichen wie Husten oder Abwehr beobachten, machen Sie mit der Herzdruckmassage weiter. Bei der Herzdruckmassage gibt es bei Babys und Kleinkindern Unterschiede. Hier gilt:
    • Drücken Sie bei Babys leicht mit zwei Fingern das Brustbein circa ein Drittel bis zur Hälfte des Oberkörpers 15-mal und führen Sie dann zwei- bis dreimal eine Beatmung durch.
    • Bei Kleinkindern und größeren Kindern drücken Sie mit einer oder beiden Händen ein Drittel des Oberkörpers 30-mal. Anschließend beatmen Sie das Kind zweimal. Führen Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durch.

    „Auch, wenn ein Kind nach einem vermutlichen Ertrinkungsunfall keines dieser Anzeichen aufweist, sollte es auf jeden Fall ärztlich behandelt werden. Denn was viele Eltern nicht wissen: Ertrinken kann das Kind auch außerhalb des Wassers“, sagt Oberärztin Cornelia Hesse. Verzögertes Ertrinken – auch sekundäres oder zweites Ertrinken genannt – ist eine oft unterschätze Gefahr für Kinder und fordert jedes Jahr zahlreiche Todesopfer.

    Das in die Lunge eingedrungene Wasser kann nämlich auch noch Stunden später Komplikationen auslösen und zu schwerer Atemnot führen. Kinder, die nach einem Vorfall im Wasser auch nach einer beschwerdefreien Phase wieder anfangen zu husten, ungewöhnlich schnell atmen, teilnahmslos wirken oder deren Lippen sich verfärben, sollten umgehend in eine kinderärztliche Notfallaufnahme gebracht werden. Kinder reagieren in diesem Fall auch mit Fieber.

    Wichtig!

    1. Kleinere Kinder sollten im Wasser nie unbeaufsichtigt sein!
    2. Kinderunfälle sind oft vermeidbar. Besonders zu empfehlen ist es, wenn Eltern ihr Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig wieder auffrischen. Das kann Leben retten!
    3. Kinder, die im Wasser spielen, sind laut und machen Lärm – wird es still, sollte man schleunigst nachschauen, weshalb.
    4. Für den Ertrinkungsunfall gilt, egal wie gering die Lebenszeichen nach dem Bergen des Patienten sind, es sollten immer Reanimationsmaßnahmen ergriffen werden bis der Notarzt eintrifft.

    (PM Helios Klinik Jerichower Land)

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